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Interview mit Marc Grewenig und der Saarbrücker Zeitung | Das Silicon Valley soll Saar-Firmen locken

27-08-2018

Saarbrücken. Das Wirtschaftsministerium startet mit dem Saarbrücker Software-Haus Fanomena ein Pilotprojekt. Bei Erfolg wird es weitergeführt.

 

Für Jungunternehmer aus der IT-Szene ist es das Größte schlechthin, sich für einige Zeit im Silicon Valley bei San Francisco aufzuhalten und dort Kontakte zu Mentoren, Partnern oder Investoren aufzubauen. Sind doch alle Branchengrößen dort vertreten. Diesen Traum erfüllt sich der IT-Unternehmer Marc Grewenig ab der kommenden Woche. Fanomena heißt die Firma, die der 31-Jährige vor mehr als drei Jahren gegründet hat. Für drei Monate wird er sich im Valley in einem so genanntes Co-Working-Office einrichten und versuchen, Leute kennenzulernen, die ihn und sein junges Unternehmen nach vorne bringen. Er teilt sich mit anderen Start-up-Firmen ein Büro auf Zeit – und zwar im „Startcamp Accelerator“ in Palo Alto. Solche so genannten Startupbootcamps helfen jungen Unternehmen, ihr Geschäft zu entwickeln und vermitteln die entsprechenden Kontakte. Die Camps haben sich in insgesamt 20 Branchen organisiert, um zielgerichtet arbeiten zu können. „Erste Kontakte in die Startupbootcamps habe ich schon“, erzählt Grewenig. „Ich will sie in den kommenden Monaten jedoch vertiefen.“

Unterstützt wird er bei seinem Vorhaben vom Saar-Wirtschaftsministerium und der Standortfördergesellschaft Saaris. „Das ist ein Pilotprojekt“, betont Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD). „Wir möchten Erfahrungen sammeln, wie wir saarländischen Jungunternehmen aus dem Hochschul-Umfeld aber auch Mittelständlern Türen im Silicon Valley öffnen können.“ 10 000 Euro kostet dieses Pilotvorhaben. Unter der Marke „Saarland International“ unterstützt das Ministerium schon heute Firmen auf dem Weg in ausländische Märkte – unter anderem mit gezielter Beratung für bestimmten Vorhaben oder bei der Beschaffung von Fördergeldern. „Dazu gehört auch, dass wir gelegentlich Neues ausprobieren“, so die Ministerin. „Denn die Zeiten ändern sich rasant.“ Die Markterkundungsreisen alter Prägung mit interessierten Unternehmern im Schlepptau würden allerdings nicht mehr stattfinden, betont sie. „Dieses Format hat sich überholt.“ Sie wird im September für rund eine Woche in die USA reisen und unter anderem auch das Silicon Valley und Grewenig besuchen.

Das Software-Haus Fanomena (20 Mitarbeiter) entwickelt unter anderem Software für Veranstalter von Messen, Konferenzen und Ausdauersport-Ereignissen. Eines der Produkte heißt Eventbaxx. Wer bisher Messen besucht hat, kommt am Ende mit einer Fülle von Prospekten, Gutscheinen oder Gewinnspiel-Coupons nach Hause. Das Saarbrücker IT-Unternehmen sorgt dafür, dass die Tüte, in die das alles hineinkommt, virtuell wird, also auf dem heimischen PC landet. Ein Fanomena-Kunde ist zum Beispiel der Veranstalter MCH Messe Schweiz mit Sitz in Zürich. Diese veranstaltet dort jedes Jahr im Februar die Motorrad-Messe Swiss Moto. Für deren Besucher hat Fanomena „den Swiss-Moto-Goodie-Bag entwickelt“, erläutert Grewenig. „Das ist ein virtueller Korb voll von allen möglichen Angeboten, die potenzielle Kunden anlocken sollen“, sagt er. Dazu gehören Rabattgutscheine auf Originalaccessoires, aber auch die Verlosung von Wochenendtrips mit den neusten Fahrzeugmodellen bis hin zu Verköstigungen an Messeständen. „Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.“ Anhand der Reaktionen im Netz könnten die Firmen, die solche „Goodies“ an ihre Kunden verteilen, ziemlich genau messen, welches Geschäft am Ende damit ausgelöst wird. „Man kann sein Marketing entsprechend nachjustieren“, sagt Grewenig.

Geschäftsführer Marc Grewenig

Neben der digitalen Messetasche eventbaxx hat Fanomena inzwischen ein zweites Kundenbindungs-Produkt im Rennen, das unter hileadzz firmiert. „Damit wollen wir für unsere Kunden erreichen, dass aus Leuten, die sich für bestimmte Produkte und Dienstleistungen interessieren, im Laufe der Zeit zu Kunden unserer Kunden werden“, erläutert Grewenig. Dies könne ebenfalls mit Gutscheinen oder anderen Aufmerksamkeiten erreicht werden, die das Interesse potenzieller Kunden wecken, diese aber nicht bedrängen. „Die Ansprache kann vielschichtig sein und alles umfassen, was das Internet an Kontaktmöglichkeiten bietet.“

Die Zeit im Silicon Valley will der Jungunternehmer von der Saar allerdings auch gezielt nutzen, um mögliche Geschäftspartner und vielleicht neue Kunden aufzutun. „Der US-Markt ist im Veranstaltungsbereich riesig“, sagt er. „Da geht bestimmt etwas.“

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